Die Dritte Flandernschlacht

Seit 1915 spielt das britische Oberkommando mit dem Gedanken, einen Durchbruch in Flandern zu erzwingen. Aber die Deutschen sind vorbereitet. Ein Netzwerk von Bunkern beherrscht das Schlachtfeld.
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E01237© AWM E01237

Auf der Suche nach einem Durchbruch in Flandern

Am 31. Juli 1917 ist der Moment gekommen. Mehr als 4,2 Millionen Granaten werden auf die deutschen Stellungen abgefeuert. Der Beschuss verfehlt sein Ziel. Die Bunker wurden verschont, während die Landschaft umgewühlt und das Entwässerungssystem zerstört wird. Ein paar Sommerschauer verwandeltn das Einsatzgebiet in einen Sumpf. Tiere, Menschen und Maschinen versinken im Schlamm.

Nach wochenlangem Ringen schließen sich Neuseeländer, Australier und Südafrikaner den erschöpften britischen Divisionen an. Nach einem kurzen Schub gerät der Angriff wieder ins Stocken. Vor allem der 12. Oktober ist ein Fiasko. Neuseeländer und Australier rennen ohne Erfolg gegen die befestigten Hügel bei Passchendaele an. Der britische Durchbruch zur flämischen Küste droht zu scheitern.

Passchendaele!

Ein Beenden der Offensive, egal wie viele Menschenleben dadurch gerettet werden könnten, ist für das Oberkommando keine Option. Ein Sieg, selbst ein symbolischer, ist dringend notwendig. Der Blick von Feldmarschall Haig fällt auf Passchendaele. Das zerstörte Dorf auf dem westflämischen Hügelrücken befindet sich seit 1914 in deutscher Hand und ist zu einem Mythos geworden.

Um dieses Ziel zu erreichen, wendet sich Haig an die Kanadier. Arthur Currie, der Befehlshaber des kanadischen Korps, ist darüber nicht erfreut. Als Haig ihn anspricht, antwortet er:

"Passchendaele! Was bringt uns das? Sollen die Deutschen es doch behalten. Sollen sie doch dort verrotten! Verrotten im Schlamm! Dies ist ein Irrtum. Das muss ein Irrtum sein! Das ist keinen Tropfen Blut wert."
General Arthur William Currie
Sir General Arthur William Currie Smithsonian American Art Museum© Smithsonian American Art Museum

Aber Currie hat keine andere Wahl. Widerwillig nimmt er den Auftrag an. Unter der Bedingung, dass er Zeit und vor allem zusätzliche Artillerie erhält. Mehr als ein Geschütz pro vier Meter Frontlänge.

In der ersten Phase müssen sich die Truppen aus dem Schlamm befreien. Sobald sie höheres und trockeneres Gelände erreichen, ist Passchendaele zum Greifen nahe. Das Stück Kamm nördlich von Passchendaele wird in einer letzten Phase eingenommen.

”I fell into the bottomless mud, and lost the light “

Nichts kann die Kanadier auf die Hölle von Passchendaele vorbereiten. Dörfer, die manche noch aus dem Jahr 1915 kannten, sind wie vom Erdboden verschwunden. Die Straßen wurden zu schlammigen Wasserläufen. Die Stellungen sind überflutet oder nicht mehr vorhanden, und die deutsche Artillerie beschießt die Nachschublinien.

In den frühen Morgenstunden des 26. Oktober 1917 spuckt die Artillerie ihre tödliche Ladung aus. Die Verteidiger ziehen sich in ihre Unterstände zurück. Als das dumpfe Dröhnen nachlässt und die Kanadier vorrücken, bemannen die Deutschen ihre Maschinengewehre.
Der Widerstand ist groß. Die Verluste sind dementsprechend hoch.

Bellevue, der Schwerpunkt der Verteidigung westlich von Passchendaele, fällt. Die Kanadier befinden sich auf dem Hügelrücken.

Auch der erneute Vorstoß am 30. Oktober ist sehr schwierig. Die Männer, die durch den Schlamm waten, sind ein leichtes Ziel.

Dennoch gibt es Erfolge. Die Anhöhe am Kronenhof, ein waffenstarrender Stützpunkt in Passchendaele wird erobert.

Mike Foxhead
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Mike Foxhead

Mike Foxhead

Trotz des Bedarfs an Soldaten ist die kanadische Armee zögerlich, Einheimische in ihre Reihen aufzunehmen. Die noch nie dagewesenen Verluste ändern dies. Es wird beschlossen, aktiv unter den einheimischen Völkern zu rekrutieren.

Das Misstrauen der First Nations Kanadas, der Inuit und Métis, gegenüber der Regierung und der Armee ist groß. Die Stammesvölker stehen einem Krieg, mit dem sie nichts zu tun haben, gleichgültig, ja geradezu feindselig gegenüber. Dennoch ist die Rekrutierungskampagne in den Reservaten ein Erfolg. Viele Jungen wollen sich beweisen und melden sich freiwillig.

Der 18-jährige Cowboy Mike Foxhead schließt sich im September 1917 dem 50th Battalion (Calgary) an.

Mitten in der Nacht kommt Mikes Einheit am 21. Oktober 1917 in Ypern an. Nach einer kurzen Pause für Tee und Verpflegung zieht sein Bataillon weiter nach Osten, tiefer in den Albtraum hinein. Bevor sie in Stellung gehen können, werden sie unter Beschuss genommen. Die Druckwellen der Explosionen reißen ihnen die Gasmasken vom Gesicht. Mehrere Jungen werden vergast.

Am nächsten Tag findet sich Mike an der Front bei Tyne Cot wieder. Die Bedingungen sind schrecklich. Die Kanadier warten gespannt auf den Angriff vom 26. Oktober. Die Einheiten stehen unter ständigem Beschuss. Ein Überlebender des 50th Battalion beschreibt den Einsatz bei Passchendaele folgendermaßen:

"Todesort"
"Der Schlamm und der Regen in Verbindung mit der elenden Kakophonie von explodierenden Granaten, kreischenden Kugeln, zersplitternden Schrapnells und den Schreien der Verwundeten und Sterbenden trieben die Männer in den Wahnsinn, manche wurden völlig verrückt. Es war die reinste Hölle."

Mike Foxhead, kaum 19 Jahre alt, wird am 23. Oktober 1917 getötet. Er erhält ein Feldgrab in der Nähe von Tyne Cot.

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Eine kanadische Schmalspureinheit beim Transport schwerer Artillerie durch die überschwemmte Ebene vor Passchendaele, November 1917.
Mike Foxhead
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Mike Foxhead

Mike Foxhead

Trotz des Bedarfs an Soldaten ist die kanadische Armee zögerlich, Einheimische in ihre Reihen aufzunehmen. Die noch nie dagewesenen Verluste ändern dies. Es wird beschlossen, aktiv unter den einheimischen Völkern zu rekrutieren.

Das Misstrauen der First Nations Kanadas, der Inuit und Métis, gegenüber der Regierung und der Armee ist groß. Die Stammesvölker stehen einem Krieg, mit dem sie nichts zu tun haben, gleichgültig, ja geradezu feindselig gegenüber. Dennoch ist die Rekrutierungskampagne in den Reservaten ein Erfolg. Viele Jungen wollen sich beweisen und melden sich freiwillig.

Der 18-jährige Cowboy Mike Foxhead schließt sich im September 1917 dem 50th Battalion (Calgary) an.

Mitten in der Nacht kommt Mikes Einheit am 21. Oktober 1917 in Ypern an. Nach einer kurzen Pause für Tee und Verpflegung zieht sein Bataillon weiter nach Osten, tiefer in den Albtraum hinein. Bevor sie in Stellung gehen können, werden sie unter Beschuss genommen. Die Druckwellen der Explosionen reißen ihnen die Gasmasken vom Gesicht. Mehrere Jungen werden vergast.

Am nächsten Tag findet sich Mike an der Front bei Tyne Cot wieder. Die Bedingungen sind schrecklich. Die Kanadier warten gespannt auf den Angriff vom 26. Oktober. Die Einheiten stehen unter ständigem Beschuss. Ein Überlebender des 50th Battalion beschreibt den Einsatz bei Passchendaele folgendermaßen:

"Todesort"
"Der Schlamm und der Regen in Verbindung mit der elenden Kakophonie von explodierenden Granaten, kreischenden Kugeln, zersplitternden Schrapnells und den Schreien der Verwundeten und Sterbenden trieben die Männer in den Wahnsinn, manche wurden völlig verrückt. Es war die reinste Hölle."

Mike Foxhead, kaum 19 Jahre alt, wird am 23. Oktober 1917 getötet. Er erhält ein Feldgrab in der Nähe von Tyne Cot.

“We penetrated deeper and deeper into the heart of darkness”

Am kühlen Morgen des 6. November starten die Kanadier ihren letzten Angriff auf Passchendaele. Die deutschen Stellungen werden umzingelt, und mit Hilfe von leichten Maschinengewehren und Mörsern erledigt die Infanterie ihre Aufgabe. Das Motto lautet: fire and movement. In Bewegung bleiben und weiter feuern.

Zielgenaues Artilleriefeuer, gründliche logistische Vorbereitungen und Sturmtruppentaktiken zahlen sich aus. Die Ruinen von Passchendaele werden eingenommen. Doch die Verluste bleiben unsagbar hoch.

John William Collins & William Lister Morrison
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John William Collins & William Lister Morrison

John William Collins & William Lister Morrison

Das 2nd Battalion (Eastern Ontario Regiment) zählt in wenigen Stunden 267 Gefallene, Verwundete und Vermisste. Der 30-jährige John Collins und der 10 Jahre jüngere William Morrison werden in der Nähe des angestrebten Ziels getötet. Die beiden werden in der Paardebosstraat zusammen begraben, in der Nähe des Ortes, den die Briten Valour Farm nennen.

"Todesort"
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Ein Deutscher und ein Kanadier rauchen gemeinsam eine Zigarette.

John William Collins & William Lister Morrison
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John William Collins & William Lister Morrison

John William Collins & William Lister Morrison

Das 2nd Battalion (Eastern Ontario Regiment) zählt in wenigen Stunden 267 Gefallene, Verwundete und Vermisste. Der 30-jährige John Collins und der 10 Jahre jüngere William Morrison werden in der Nähe des angestrebten Ziels getötet. Die beiden werden in der Paardebosstraat zusammen begraben, in der Nähe des Ortes, den die Briten Valour Farm nennen.

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Entscheidung

Der deutsche Widerstand ist gebrochen. Die Hände werden massenhaft erhoben. Nach drei Monaten, 600.000 Verletzten und mehr als 175.000 Toten erhält das Oberkommando seine Trophäe. In ein paar Wochen finden 4.000 Kanadier den Tod, mehr als 12.000 werden verwundet und viele sind für ihr Leben gezeichnet.

"Insgesamt habe ich einunddreißig Monate in Frankreich und Belgien gedient. Und ich würde das alles sofort wieder tun, anstatt dieser sechs Wochen bei Passchendaele."
Nach dem Krieg versucht der Kanonier Ernest Black, die Schlacht bei Passchendaele in Worte zu fassen.
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Ein verwundeter Kanadier wird evakuiert, November 1917.
We will remember them

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Der Erste Weltkrieg hat in der Westhoek viele Spuren hinterlassen. Denkmäler, Friedhöfe und Bunker sind über die Landschaft verstreut. Das Online-Portal konzentriert sich auf die stummen Zeugen des Krieges. Sie will vermissten Kanadiern einen Platz in der Landschaft geben. Neugierig auf ihre Geschichten?